5. Akt: Social-Media-Experiment: Auftrag via @Telekom_hilft

Was bisher geschah: Bitte hier entlang zum Beginn und zum 1. Akt der Serie!

5. Akt

Social-Media-Experiment: Ein Auftrag via @Telekom_hilft.

Dienstag, 06. März 2012, kurz nach dem Frühstück, wieder zurück im Allgäu.

Ich bin zur Untätigkeit in Sachen Telekom verdammt. Die Installation des Internetzugangs hat sich unwiderruflich um 13 Tage verschoben.

Nachträglich muss ich an dieser Stelle noch unbedingt die Mitarbeiterin der Telekom-Hotline, mit der ich gestern (nachzulesen im 4.Akt) verhandelt habe, lobend erwähnen.

Sie konnte mir bereits die neuen Telefonnummern mitteilen, die ab 13. März aktiviert werden. Aber es kommt sogar noch besser:

Zum Abschluss des Telefonats verriet mir die Dame nämlich unaufgefordert ihren Namen. Und zwar inklusive Vornamen! Außerdem teilte mir sie sogar den Ort ihrer Dienststelle mit, damit ich sie auch persönlich erreichen kann, falls noch Fragen zu klären sind. So etwas habe ich während ungezählter Telefonate mit der Telekom in Jahrzehnten noch nie erlebt.

Zurück auf dem heimischen, gemütlichen Sofa starte ich mein Notebook, um die E-Mails und die Tweets der letzten Tage zur Sachlage nochmals nachzulesen. Schließlich habe ich die gesamte schriftliche Korrespondenz über mein kürzlich erstandenes Smartphone erledigt. Nebenbei bemerkt: So ein Gerät ist überaus praktisch und eigentlich lebensnotwendig.

Als nächstes überprüfe ich den alten Telefonanschluss, der angeblich seit dem 01. März gekündigt ist. Wie überraschend: Weiterhin problemlos erreichbar.

Misstrauisch, wie ich nun mal bin, erfolgt der nächste Check: Mit den alten Zugangsdaten meiner Tante kann ich problemlos die kompletten Daten des Kundencenters einsehen. Ich habe Zugriff auf sämtliche Rechnungen, auf alle jemals erteilten Aufträge und auf das E-Mail-Adressbuch. Nur die E-Mails sind nicht aufrufbar. Keine einzige. Ich bekomme eine fürchterliche Vorahnung auf die Dinge, die noch kommen sollen. Und ich habe mich nicht getäuscht. Soviel sei zu diesem Zeitpunkt schon mal verraten.

Da die gesamte Korrespondenz inzwischen einen doch erheblichen Umfang erreicht hat, bin ich den ganzen Vormittag damit beschäftigt, alles zu lesen. Im übrigen möchte ich noch anmerken, dass ich zu dieser Zeit Urlaub habe. Nur damit niemand auf falsche Gedanken kommt…

Jedenfalls steigert die Lektüre der vielen E-Mails und Tweets meine Laune nicht. Im Gegenteil: Je länger ich lese, desto verärgerter bin ich. Die Situation gleicht den Zuständen, die ich bereits vor Urzeiten mit der Telekom erlebt habe, wie ein Ei dem anderen.

Der Kunde fühlt sich verarscht veräppelt, nicht ernst genommen und muß einsehen, dass er der allmächtigen Telekom gegenüber nicht den Hauch einer Chance hat.

Ich erinnere mich, dass es ebenfalls seit Urzeiten nicht möglich ist, sich genau den Telekom-Mitarbeiter vorzuknöpfen, der einen falsch beraten hat und damit einen Auftrag versemmelt hat. Die Chance, genau eben diesen Mitarbeiter an der Hotline zu erwischen, ist gleich null. Da nützt es auch nichts, wenn man im Besitz des entsprechenden Namens ist.

Mitarbeiter der Telekom-Hotline erzählen in solchen Fällen immer wieder, dass sie aus technischen Gründen Gespräche nicht an vom Kunden gewünschte Kundenbetreuer durchstellen können. Ob das so stimmt, darf ernsthaft bezweifelt werden.

Ich habe es persönlich erlebt, dass mein Wunsch, mich mit dem Kundenbetreuer mit dem ich erst vor 10 Minuten gesprochen habe, zu verbinden abgelehnt wurde. Als Begründung wurde mir unverblümt mitgeteilt, dass dies zwar technisch möglich ist, weil dieser Kundenbetreuer sich zufällig im gleichen Büro befindet. Jedoch wird einem derartigen Kundenwunsch aus prinzipiellen Gründen nicht entsprochen. Diese Begebenheit liegt zwar etwa zwei oder drei Jahre zurück, scheint aber heute noch so oder ähnlich gängige Praxis zu sein.

Willkommen zurück im letzten Jahrhundert bei der Deutschen Bundespost!

Jetzt aber wieder in die Gegenwart, dem Zeitalter des Web 2.0. Social-Media hat sich als effektiver, blitzschneller neuer Kommunikationsweg in allen Bereichen der Gesellschaft durchgesetzt.

Unter den oben beschriebenen Eindrücken poste ich um 13:19 Uhr in einem verständlichen Anflug von Verärgerung folgenden Text öffentlich bei Twitter:

Mit einer Antwort von „@Telekom_hilft“ habe ich nach diesen chaotischen Ereignissen nicht gerechnet. Trotzdem erreicht mich exakt 31 Minuten später – ebenfalls öffentlich – dieser Tweet. Allerdings empfinde ich in diesem Fall den Inhalt als eine Unverschämtheit:

Der vorerst letzte Tweet in dieser grotesken Angelegenheit erreicht „@Telekom_hilft“ genau 5 Minuten später:

Ich beschließe, mich bis zum Installationstermin am 13. März nicht mehr mit der Angelegenheit zu befassen. Auch bei „@Telekom_hilft“ herrscht ab jetzt für eine längere Zeit wieder Funkstille.

Donnerstag, 08. März 2012, später Vormittag im Allgäu.

Seit über einem Tag kein Lebenszeichen der Telekom. Dafür ein Anruf aus der wohlbekannten Kleinstadt in Oberfranken: Dort ist offenbar ein riesiger Stapel Briefe angekommen. Alle sind von der Telekom.

Aha, die Sache läuft offenbar tatsächlich. Meine Laune steigert sich wieder deutlich. Auf eine Kontaktaufnahme mit der Telekom verzichte ich bewusst, um den Lauf der Dinge nicht zu behindern.

Der alte Telefonanschluss ist nicht mehr erreichbar. Es geht voran. Das Kundencenter des alten, gekündigten Zugangs ist weiter komplett einsehbar. Nur die E-Mails verweigern sich weiterhin meinem Zugriff. Meine böse Vorahnung nimmt konkretere Formen an.

Am Abend lausche ich andächtig dem Vuvuzela-Konzert, mit dem Ex-Bundespräsident Wulff endgültig aus dem Schloss Bellevue gejagt würdig verabschiedet wird.

Freitag, 09. März 2012, kurz nach dem Frühstück im Allgäu.

Der Tag beginnt mit eindeutigen Anzeichen einer Erkältung. Weiterhin keine E-Mails, Tweets oder gar Anrufe von der Telekom.

Wieder ein Anruf aus Oberfranken: Mit einer nicht zu überhörenden Verunsicherung berichtet meine Mutter über unglaublich viele Pakete, die gerade eingetroffen sind. Wieder stammt alles von der Telekom. Ob das denn so seine Richtigkeit hätte, will sie wissen. Ich überzeuge sie, dass alles so läuft wie es soll. Mutter und Tante sind beruhigt. Ich nicht. Unglaublich viele Pakete? Eigentlich dürften nicht mehr als drei Pakete angekommen sein. Was ist da los?

Ich verzichte weiterhin auf jegliche Kontaktaufnahme mit der Telekom. Jetzt nur nichts durcheinander bringen!

In Sachen E-Mails hat sich nichts geändert. Die Geschichte mit der Mitnahme der E-Mail-Adresse wird böse enden, da bin ich mir jetzt sicher.

Freitag, 09. März 2012, kurz nach dem Mittagessen im Allgäu.

Eine schwere Erkältung hat mich dahin gerafft. Das Fieber steigt unaufhaltsam. Ich bezweifle ernsthaft, dass ich den 13. März, den alles entscheidenden Tag der Installation des Internetzugangs, noch erleben werde. Ich entscheide mich, dieses Blog zu eröffnen, damit spätere Generationen von den dramatischen Ereignissen erfahren.

Zum Kundencenter und den E-Mails erübrigt sich jeder Kommentar.

Sonntag, 11. März 2012 kurz nach dem Frühstück im Allgäu.

Heute ist Jahrestag der Katastrophe in Fukushima. Als überzeugter Gegner der Kernenergie beschließe ich spontan, die Anti-AKW Demo in Gundremmingen zu besuchen. Das AKW Gundremmingen befindet sich übrigens beängstigend nah an meinem Wohnort. Meine Ehefrau zückt das neue High-Tech-Fieberthermometer:

Aktuelle Körperkerntemperatur: 39,4°C. Eine Kernschmelze ist nicht sicher auszuschliessen. Es besteht aber keine Gefahr für die Bevölkerung! Ich wiederhole: Es besteht keine…

Als ich nochmals die Demo in Gundremmingen anspreche, erklärt mich meine Frau für verrückt und verbannt mich ins Bett. mir meine Frau, dass Bettruhe doch vernünftiger wäre.

Den Rest dieses Tages befinde ich mich im Fieber-Koma. Auch am Montag, den 12.März falle ich immer wieder in durch Fieber induzierte komatöse Zustände.

Angeblich habe ich im Fieber-Koma immer wieder das Wort „Telekom“ gelallt. Sagt jedenfalls meine Frau. Aber das ist sicher nur ein Gerücht…

Ende des 5. Aktes. Im nächsten Akt kommt es zum Showdown.

Zum 6. Akt bitte hier entlang!

Hinweis:

Alle Tweets sind als Grafiken in den Text eingefügt und absichtlich nicht mit Twitter verlinkt. Die Kürzel der Telekom-Mitarbeiter habe ich geschwärzt, damit keine Rückschlüsse auf einzelne Mitarbeiter möglich sind.

Fukushima, die Energiewende und die neuen Wendehälse

Was genau die schwarz-gelbe Koalition dazu bewogen hat, die Energiewende einzuleiten, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. War es wirklich die Einsicht, dass Kernenergie nicht beherrschbar ist? Waren es die Eindrücke der Folgen nachdem dem japanischen Energiekonzern TEPCO das Atomkraftwerk Fukushima um die Ohren geflogen ist? Oder war es gar ein schnöder taktischer Schachzug von Merkel, die sehr schnell erkannt hat, dass der Atomausstieg viele Wählerstimmen bringt?

Völlig egal. Denn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich ein paar Tage vor dem Jahrestag der Katastrophe in Fukushima, streicht schwarz-gelb die Förderung der Solarenergie zusammen. Die Energiegewinnung durch Photovoltaik-Anlagen verlief im letzten Jahr derart erfolgreich, dass selbst den größten Optimisten schwindlig wurde. War dieser Zeitpunkt Zufall, Dummheit oder Taktik um auszuloten, wie die Öffentlichkeit reagieren wird?

Erst vom Ausland belächelt, erntete Deutschland Respekt für den Erfolg der Energiewende. Wäre der bisherige Kurs weiter verfolgt worden, hätten alle deutschen Atomkraftwerke viel früher Kontakt mit der Abrissbirne gemacht als angenommen. Deutschland hätte zum absolut anerkannten Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien avancieren können.

Und was passiert tatsächlich?

Wirtschaftsminister Rösler (FDP), der einer lediglich virtuell existierenden Partei vorsteht, dessen Persönlichkeit als Politiker nur noch aus Höflichkeit oder aus Mitleid im In- und Ausland wahrgenommen wird, würgt mit einem Federstrich eine der größten Chance für Deutschland, Europa und der gesamten Welt ab. Es betrifft eben auch die gesamte Weltbevölkerung, weil die technologischen Fortschritte nur durch eine konsequente, ehrliche Abkehr von Kernkraft und fossilen Brennstoffen in naher Zukunft die Energieversorgung weltweit hätte sicher stellen können. Deutschland wäre ein hervorragender Standort für die Erforschung und Entwicklung dieser grünen Technologien gewesen.

Aber Rösler ist nicht der alleinige Schuldige. Auch unser Bundesumweltminister Röttgen (CDU) hat bei diesem Deal kräftig mitgemischt. Für mich ist dafür die einzige Erklärung, dass Röttgen offenbar nicht weiß, dass er Bundesumweltminister ist. Wie sonst ist es zu verstehen, dass Röttgen umweltfreundlichen Technologien den Geldhahn zudreht und dies mit „wirtschaftlicher Vernunft und aus Rücksicht auf die Verbraucher, die die Förderung über ihre Stromrechnung bezahlen müssen“ erklärt.

Dass wir allerdings, ob als Stromverbraucher oder als Steuerzahler ebenfalls zur Kasse gebeten, um die strahlenden Hinterlassenschaften der Kernenergiebetreiber zu entsorgen, erwähnte Röttgen nicht. Vermutlich werden die höchsten Kosten der Kernenergie in Zukunft durch die Bewachung und Versorgung ausgedienter Kernkraftwerke, Brennelementen und sonstigen unglaublich gefährlich strahlenden, hochgiftigen Dingen anfallen. Im Vergleich dazu werden die Kosten für eine Endlagerung, falls eine solche jemals existieren sollte, ein reiner Klacks sein.

Natürlich haben Rösler und Röttgen nicht alleine gehandelt. Es gibt immer noch eine Bundeskanzlerin Merkel, die im Hintergrund die Strippen zieht. Es gibt aber auch Röslers virtuelle Partei, die verzweifelt versucht, sich aus ihrer momentanen Nicht-Existenz zu befreien und durch eben solche Deals auf die eine oder andere Wählerstimme hofft. 

Dieser FDP ist jedes, aber auch wirklch jedes Mittel recht, um an der Macht zu bleiben.

Die Wende der Energiewende steht jedenfalls unmittelbar bevor. Die Zeichen sind deutlich. Merkel agiert im Hintergrund, um den Ausstieg vom Atomausstieg vorzubereiten. Es fehlt lediglich nur noch der passende Anlass, um mit Hurra-Geschrei die Vorzüge der Kernenergie dem Wahlvolk wieder schmackhaft zu machen.