Luis Trenker als Retter für „Gottschalk Live“ – Ein Rettungsplan

Ich habs ja gleich gewusst, das wird nix!

Gefühlte 99,9 Prozent aller Kommentare zu „Gottschalk Live“ beginnen mit dem Statement: „Ich habs ja gleich gewusst, dass das nix wird.“ Nach der ersten Ausstrahlung hab ich auch gewusst, dass die Sendung in dieser Form den Bach runter gehen wird. Ich befinde mich da also in bester Gesellschaft.

„Gottschalk“ und „Live“ ist eine Kombination, die einfach funktionieren muss. Das stimmt auch. Die Aussage ist aber nur so lange gültig, bis jemand auf die Idee kommt, diese Kombination in ein Konzept zu pressen. Viele Kritiker vermissten gleich nach der ersten Ausstrahlung „eine Linie“.

Die ARD hat darauf reagiert, hat das Konzept hier und da geändert und der Sendung eine „Linie“ verpasst. Und genau das war falsch. Gottschalk braucht keine „Linie“, an die er sich zu halten hat. Gottschalk ist nur dann wirklich gut, wenn seine Spontanität gefordert ist.

Oder anders gesagt: Die Kombination „Gottschalk“ und „Live“ funktioniert nur dann, wenn es keine „Linie“ gibt.

Oder noch einfacher: Setzt den Gottschalk unvorbereitet einfach ins Studio. Nehmt ihm die Zettel weg. Gebt ihm keine Informationen zu Studiogästen, zu Themen oder sonst was.

Wer in den 80ern die legendären Sendungsübergaben zwischen Günther Jauch und Thomas Gottschalk jeden Nachmittag im Bayerischen Rundfunk erleben durfte, der weiß, was ich meine. Einige Übergaben haben Archäologen Mitarbeiter des BR in einem „historischen“ Archiv für die Nachwelt erhalten:

Zwei Links zu Audiodateien bei B3-history.de: (*.ram-Format)

Übergabe an Jauch

Gottschalks Sexberatung 1989

Genau da liegt die Stärke von Gottschalk: Die Improvisation. Jedes Konzept, jede „Linie“ ist hier schädlich. Falls jemand daran Zweifel hegen sollte, der möge sich bitte mal einen Kinofilm mit Gottschalk ansehen. Die „Supernasen“ sind dafür ein geeignetes Beispiel. Viel schlechter kann ein Film nicht mehr sein. Und was ist schuld daran? Das Drehbuch. Ich meine damit nicht, dass der Film ein schlechtes Drehbuch hatte. Sondern der reine Umstand, dass sich Gottschalk an ein Drehbuch halten muss. Das kann er nämlich nicht.

Und was hat Luis Trenker jetzt mit der Rettung von Gottschalk zu tun?

Eigentlich nichts. Aber in den 60er Jahren gab es eine Sendereihe mit Trenker, die heute noch Kultstatus hat: „Luis Trenker erzählt …“ Trenker erzählt vom Bergsteigen, er erzählt von seiner Schulzeit, er erzählt vom Krieg, vom Skifahren, wie er (beinahe) von einer Lawine verschüttet wurde, wie er (beinahe) vom Matterhorn abgestürzt wäre, und wie oft er in der Schule Unfug getrieben hat.

Luis Trenker erzählt von seiner Schulzeit:

Luis Trenker: Der Kampf ums Matterhorn:

Er erzählt ohne Punkt und Komma. Er springt von einem Thema zum anderen, er wiederholt sich. Kurz: Er hat überhaupt kein Konzept. Und genau das ist das passende Format für Gottschalk. Hier kann er sich austoben, von früher erzählen, Anekdoten zum Besten geben und wenn es denn unbedingt sein muss: Er kann sich auch mit einem Studiogast unterhalten. Besonders charmant fände ich es, wenn Gottschalk auf einen Promi trifft, der gerade einen Film, Buch oder sonst was anpreisen will, aber nichts über seinen Gast weiß. Oder noch besser: Er kennt den Gast überhaupt nicht.

Social-Media? Ja unbedingt! Jedoch Fehlanzeige!

„Gottschalk Live“ wurde uns anfangs als DIE Social-Media Sendung angepriesen. Davon ist fast nichts wahr gewesen. Nachdem die Sendung jetzt auch noch aufgezeichnet wird, ist von Social-Media nichts mehr spürbar. Lediglich ein paar Postings auf Facebook und Twitter, die meist nur die Gästeliste der nächsten Sendung anpreisen, sind geblieben.

So geht es nicht! Eine vernünftige Einbindung von Twitter und Facebook kann nur unter Live-Bedingungen funktionieren. Die Zuschauer wollen auch nicht mit irgendwelchen gegelten oder blondierten Redaktionsmitgliedern kommunizieren, sondern mit Gottschalk persönlich.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, das „Social-Media-Problem“ zu lösen, ohne dass die Sendung damit überfrachtet wird. Twitter muss ja nicht in jeder Sendung eine Rolle spielen.

Also, liebe ARD: Kein Drehbuch, kein Konzept, keine „Linie“, keine aufgeblasene Redaktion im Hintergrund. Nur Gottschalk. Aber wieder Live. Und mit Twitter, wenn es passt.

Die Sendung trägt den Titel „Gottschalk Live“ und nicht: „Gottschalk macht PR für Promis“. Deswegen kann es nur einen Chef im Studio geben. Und der heißt Thomas Gottschalk. Luis Trenker ist ja leider nicht mehr unter uns …

Update: 23.04.12 16:15 Uhr:

Ein Redaktionsmitglied reagiert sehr schnell. Ob das an der Frisur des/der Redakteurs/Redakteurin liegt?

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