Maschmeyer und Grass – Zwei Artikel, die ich nicht veröffentlichte.

Carsten Maschmeyer

Der eine Artikel, den ich nicht veröffentliche, befasst sich mit der seltsamen gesteigerten Medienpräsenz des Carsten Maschmeyer. Passend zu Ostern erinnert die mediale Charme-Offensive des Herrn Maschmeyer beinahe an die Auferstehung eines durch die gleichen Medien Gekreuzigten. Maschmeyer ist bei Sandra Maischberger zu Gast, er bekommt unverschämt viel Sendezeit für Werbung seines Buches eingeräumt und hat alle Zeit der Welt, sich als durchaus sympathischen Zeitgenossen darzustellen. Gleich am nächsten Tag durfte Maschmeyer seine Eigenwerbung am frühen Morgen im ZDF-Morgenmagazin fortsetzen.
Maschmeyer war Ende März praktisch omnipräsent. Auch der Bayerische Rundfunk hatte Maschmeyer im Programm. Im Radioprogramm des BR bekam er am 23. März 2012 in der Talkshow „Mensch Otto“ ebenfalls ungewöhnlich viel Zeit, um sich und sein Buch im besten Licht darzustellen. „Mensch Otto“ hebt sich normalerweise geradezu wohltuend vom üblichen Mainstream-Talk-Geschwurbel ab. In dieser empfehlenswerten Radio-Talkshow ist man vor den üblichen Verdächtigen sicher. Talkgäste, die gerade ein neues Buch, einen Film oder sonst was anpreisen, sind hier die Ausnahme. Was Maschmeyer bezahlt organisiert hat, um hier aufzutreten, würde mich sehr interessieren.
Wer nichts über Maschmeyer weiß, der muss nach diesem medialen Großangriff jedenfalls überzeugt sein, dass dieser Finanzjongleur und Wulff-Freund kurz vor der Heiligsprechung steht. Wie jedermann weiß, ist Maschmeyer mit Veronica Ferres verlobt. Das ist eigentlich völlig unwichtig. Aber: Auf die unvermeidlichen Fragen nach seinem Liebesleben nennt Maschmeyer stets den kompletten Namen von Frau Ferres. Also beispielsweise: „Ich habe mit Veronica Ferres“, oder „Veronica Ferres und ich haben …“ Andere Menschen würden zumindest ab und zu nur den Vornamen verwenden. In etwa so: „Veronica und ich …“ Vielleicht kann dieses Verhalten mal ein Psychologe erklären. Aber wie gesagt: Es ist völlig unwichtig.
Deswegen verzichte ich auf einen Artikel über Maschmeyer. Er ist völlig unwichtig. Der Maschmeyer.

Günter Grass

Im anderen unveröffentlichten Artikel geht es um Günter Grass. Der internationale Hype um das Gedicht „Was gesagt werden muss“ eines vergreisten Mannes ist beispiellos. Der Umstand, dass ein Schriftsteller mit ein paar Zeilen zum Thema Israel und Iran die Weltpolitik in höchste Alarmstimmung bringt, sollte uns alle bedenklich stimmen. Hier geht es nicht um irgendwelche Staaten. Es sind zwei Staaten, die durch ihren ewigen Konflikt die gesamte restliche Welt sozusagen mit in Geiselhaft nehmen. Ob es wirklich klug ist, dass ein Greis sich mit einem „Gedicht“ in diesen Konflikt einmischt, kann ich nicht beurteilen. Offenbar fühlen sich aber andere Greise aus verschiedenen Gründen in der Pflicht, die Situation und das Gedicht zu kommentieren. Ob diese Gesellschaft der uralten Männer wirklich weiß, dass jedes falsche Wort zur falschen Zeit die Situation eskalieren lassen kann, darf getrost bezweifelt werden.
Ich verzichte auf den Artikel über Grass. Die Brisanz der Angelegenheit flößt mir einen gehörigen Respekt ein.

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