Fukushima, die Energiewende und die neuen Wendehälse

Was genau die schwarz-gelbe Koalition dazu bewogen hat, die Energiewende einzuleiten, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. War es wirklich die Einsicht, dass Kernenergie nicht beherrschbar ist? Waren es die Eindrücke der Folgen nachdem dem japanischen Energiekonzern TEPCO das Atomkraftwerk Fukushima um die Ohren geflogen ist? Oder war es gar ein schnöder taktischer Schachzug von Merkel, die sehr schnell erkannt hat, dass der Atomausstieg viele Wählerstimmen bringt?

Völlig egal. Denn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich ein paar Tage vor dem Jahrestag der Katastrophe in Fukushima, streicht schwarz-gelb die Förderung der Solarenergie zusammen. Die Energiegewinnung durch Photovoltaik-Anlagen verlief im letzten Jahr derart erfolgreich, dass selbst den größten Optimisten schwindlig wurde. War dieser Zeitpunkt Zufall, Dummheit oder Taktik um auszuloten, wie die Öffentlichkeit reagieren wird?

Erst vom Ausland belächelt, erntete Deutschland Respekt für den Erfolg der Energiewende. Wäre der bisherige Kurs weiter verfolgt worden, hätten alle deutschen Atomkraftwerke viel früher Kontakt mit der Abrissbirne gemacht als angenommen. Deutschland hätte zum absolut anerkannten Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien avancieren können.

Und was passiert tatsächlich?

Wirtschaftsminister Rösler (FDP), der einer lediglich virtuell existierenden Partei vorsteht, dessen Persönlichkeit als Politiker nur noch aus Höflichkeit oder aus Mitleid im In- und Ausland wahrgenommen wird, würgt mit einem Federstrich eine der größten Chance für Deutschland, Europa und der gesamten Welt ab. Es betrifft eben auch die gesamte Weltbevölkerung, weil die technologischen Fortschritte nur durch eine konsequente, ehrliche Abkehr von Kernkraft und fossilen Brennstoffen in naher Zukunft die Energieversorgung weltweit hätte sicher stellen können. Deutschland wäre ein hervorragender Standort für die Erforschung und Entwicklung dieser grünen Technologien gewesen.

Aber Rösler ist nicht der alleinige Schuldige. Auch unser Bundesumweltminister Röttgen (CDU) hat bei diesem Deal kräftig mitgemischt. Für mich ist dafür die einzige Erklärung, dass Röttgen offenbar nicht weiß, dass er Bundesumweltminister ist. Wie sonst ist es zu verstehen, dass Röttgen umweltfreundlichen Technologien den Geldhahn zudreht und dies mit „wirtschaftlicher Vernunft und aus Rücksicht auf die Verbraucher, die die Förderung über ihre Stromrechnung bezahlen müssen“ erklärt.

Dass wir allerdings, ob als Stromverbraucher oder als Steuerzahler ebenfalls zur Kasse gebeten, um die strahlenden Hinterlassenschaften der Kernenergiebetreiber zu entsorgen, erwähnte Röttgen nicht. Vermutlich werden die höchsten Kosten der Kernenergie in Zukunft durch die Bewachung und Versorgung ausgedienter Kernkraftwerke, Brennelementen und sonstigen unglaublich gefährlich strahlenden, hochgiftigen Dingen anfallen. Im Vergleich dazu werden die Kosten für eine Endlagerung, falls eine solche jemals existieren sollte, ein reiner Klacks sein.

Natürlich haben Rösler und Röttgen nicht alleine gehandelt. Es gibt immer noch eine Bundeskanzlerin Merkel, die im Hintergrund die Strippen zieht. Es gibt aber auch Röslers virtuelle Partei, die verzweifelt versucht, sich aus ihrer momentanen Nicht-Existenz zu befreien und durch eben solche Deals auf die eine oder andere Wählerstimme hofft. 

Dieser FDP ist jedes, aber auch wirklch jedes Mittel recht, um an der Macht zu bleiben.

Die Wende der Energiewende steht jedenfalls unmittelbar bevor. Die Zeichen sind deutlich. Merkel agiert im Hintergrund, um den Ausstieg vom Atomausstieg vorzubereiten. Es fehlt lediglich nur noch der passende Anlass, um mit Hurra-Geschrei die Vorzüge der Kernenergie dem Wahlvolk wieder schmackhaft zu machen.

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